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26.04.11

Dr. Vera Demberg erhält für Satzverarbeitungstheorie den Dissertations-Preis der Cognitive Science Society

Dr. Vera Demberg, seit Oktober 2010 Nachwuchsgruppenleiterin innerhalb des Saarbrücker Exzellenz-Clusters „Multimodal Computing and Interaction“, ist für ihre Dissertation zum Thema “A broad coverage model of prediction in human sentence Processing“ mit dem Robert J. Glushko Preis ausgezeichnet worden. Die Arbeit entstand im Rahmen ihrer Forschungstätigkeit an der University of Edinburgh. Vera Demberg erhält den Preis im Juli 2011 während der Cognitive Science Konferenz in Boston.

Der Dissertationspreis, der gemeinsam von der amerikanischen „Cognitive Science Society“ und der „Glushko-Samuelson Foundation“ vergeben wird, zeichnet bis zu fünf Dissertationen jährlich aus und wird im Jahr 2011 erstmals verliehen. Er ist mit jeweils 10.000 Dollar pro Dissertation dotiert. Ausgezeichnet werden bahnbrechende Erkenntnisse im Bereich der Kognitionswissenschaft, die durch ihren interdisziplinären Ansatz zu einem besseren Verständnis von menschlicher Kommunikation und Kognition in intelligenten Systemen führen soll.

Im Rahmen ihrer Dissertation hat Vera Demberg bestehende Theorien zur menschlichen Sprachverarbeitung verglichen und daraus eine neue Satzverarbeitungstheorie entwickelt. Dabei konnte sie das Blickverhalten von Lesern sowohl für psycholinguistische Experimentsätze als auch für alltagssprachliche Zeitungstexte besser erklären.

Innovativ war vor allem der Vergleich der bestehenden Sprachverarbeitungstheorien im Hinblick auf Alltagstexte. Zuvor hatte ein solcher Theorievergleich ausschließlich für psycholinguistische Experimentsätze, die nur eine bestimmte Art von Satzkonstruktionen beinhalten, stattgefunden. Für den Theorievergleich verwendete Demberg Zeitungstexte, für die Blickerfassungsdaten von 10 Personen verfügbar waren. Bei der Blickerfassung wird untersucht, wie lange das menschliche Auge in einem Text jeweils ein bestimmtes Wort wahrnimmt. Aus der gemessenen Zeit lassen sich Rückschlüsse über eventuelle Schwierigkeiten des Lesers bei der Verarbeitung von bestimmten Worten oder Sinnzusammenhängen ziehen. Ein Vergleich der natürlich sprachigen alltäglichen Zeitungstexte ermöglichte es Demberg, die bestehenden Theorien auf ihre Allgemeingültigkeit auch für Alltagstexte hin zu überprüfen.

Eine mögliche praktische Anwendung des von Demberg entwickelten Modells könnte dazu dienen, den Schwierigkeitsgrad von Texten festzustellen. „Für Schüler, die dabei sind, eine Sprache zu erlernen, könnte man anhand eines solchen Modells Texte auswählen, die ihrem Leistungsstand besser entsprechen“, so die Forscherin. Auch die Übertragung auf intelligente Dialogsysteme, die in der Lage seien, die Schwierigkeit von Dialogen zu bewerten und an das Niveau des Kommunikationspartners anzupassen, sei zukünftig denkbar.

Demberg leitet an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken eine Nachwuchsforscher­gruppe, die sich mit Modellen der menschlichen Spracherzeugung und deren Anwendung auf Dialogsysteme beschäftigt. Dabei untersucht sie Fragen der Sprachverarbeitung im menschlichen Gehirn, um auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse die Spracherzeugung in Dialogsystemen der natürlichen Sprache anzunähern. Vera Demberg hat Computerlinguistik an der Universität Stuttgart studiert und sieht ihren Forschungsschwerpunkt an der Schnittstelle zwischen Computerlinguistik, Informatik und Psycholinguistik.

Kontakt:

Dr. Vera Demberg

Tel. 0681/302-70024

vera@mmci.uni-saarland.de

 

Homepage Vera Demberg

 

 

Pressekontakt:

Markus M. Frey

Tel. 0681/302-70164

M.frey@informatik-saarland.de

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